From Guest, 7 Years ago, written in Plain Text.
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  1. Ich bin grade aus der Piratenpartei Deutschland ausgetreten.
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  3. Ich war seit 2010 aktives Mitglied, habe u.a. Bundesparteitage geleitet und 2013 auf Platz 2 der Berliner Landesliste für den Bundestag kandidiert.
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  5. Die Abwärtsentwicklung der Piratenpartei hatte sich schon vor langer Zeit angedeutet, grundsätzliche Konflikte wie z.B. die Liquid- oder BGE-Wars bestanden seit Jahren. Seit dem “Bombergate” sind die Spannungen zwischen den verschiedenen innerparteilichen Lagern für mich in einem unerträglichen Maße eskaliert. Hier einige der Gründe, warum ich nicht mehr Mitglied der Piratenpartei sein möchte:
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  7. - ich möchte nicht Mitglied einer Partei sein, deren Mitglieder in ihrem Handeln immer wieder größte politische Instinktlosigkeit oder politische Naivität an den Tag legen. Oder gleich mit Politik anscheinend wenig am Hut haben wollen.
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  9. - ich möchte nicht Mitglied einer Partei sein, deren innerparteilicher Umgang dermaßen von Gewalt, Gehässigkeit, Unsolidarität, Rücksichtslosigkeit und Machtstreben geprägt ist und deren Mitglieder in einem unfassbaren Ausmaße Zeit und Energie damit verschwendet haben, die Leben einzelner aktiver Mitglieder zu zerstören anstatt sinnvolle Politik zu machen.
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  11. - ich möchte nicht Mitglied einer Partei sein, deren Mitglieder sich durch Unsolidarität und Geschichtsvergessenheit hervortun und noch stolz darauf sind. Und nicht willens oder in der Lage sind, in einen konstruktiven Diskurs einzutreten, um sich in dieser Hinsicht fortzubilden.
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  13. - ich möchte nicht Mitglied einer Partei sein, deren Mitglieder den Kampf gegen Feminismus und Antirassismus/Antifaschismus höher priorisieren als den Kampf gegen diese gesellschaftlichen Übel. Wenn Ihr in 15 Jahren in einer totalitären Dikatur aufwacht, könnt Ihr sicher sein, dass das kein “Linksfaschismus” sein wird, von dem Ihr immer phantasiert. Schaut Euch einfach mal kurz die Wahlergebnisse und das Programm und den Erfolg der rechten Parteien in Deutschland und Europa an. Und die Zahlen rassistischer Übergriffe und Anschläge in Deutschland. Und lest Euch mal ein paar der Kommentare auf AFD oder NPD oder “Bürgerinitiative” Seiten auf Facebook durch. Und beschäftigt Euch damit, wie die Schwächsten unserer Gesellschaft heute behandelt werden. Nein, linke Politik scheint mir nicht das Problem zu sein.
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  15. - ich wollte Mitglied einer Zukunftspartei sein, und nicht einer Partei, die mit wehenden Fahnen zurück ins 20. Jahrhundert marschiert. In die Zeit vor dem Internet. Ich bin 2010 eingetreten, weil ich von Liquid Feedback und Liquid Democracy begeistert war, weil ich an die Erneuerung und Verbesserung unserer Demokratie mit digitalen Mitteln geglaubt habe. Weil ich die Idee von Bürger*innenmitbestimmung an politischen Prozessen und einer innerparteilichen SMV geil fand. Das derzeitige Geschehen um den offline BEO ist nicht mal mehr ein trauriger Scherz. Dazu fällt mir gar nichts mehr ein.
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  17. - ich wollte Mitglied einer Partei sein, die für eine solidarische Gesellschaft steht, ebenso wie für ein positives Technik- und Zukunftsbild. Alle diese Punkte sehe ich in der aktuellen Politik des BuVos und der Entscheidung eines großen Teils der Mitglieder, diesen BuVo zu wählen, nicht gegeben. Alle Mitglieder des aktuellen Buvos haben sich in der Vergangenheit durch Handlungen hervorgetan, die meiner Meinung nach dagegen sprechen, diese Mitglieder jemals wieder in Ämter zu wählen. Sekors Engagement gegen Laprintemps 2012 oder die Rücktrittsscharade der Orgastreit-Unterstützer sind nur zwei kleine Beispiele. Überhaupt der Orgastreit: What is this I don't even.
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  19. - nicht zuletzt möchte ich nicht Mitglied einer Partei sein, deren BuVo alle Abgrenzungsversuche von der “Zuse-Crew” sabotiert. Ich möchte gleichsam auch nicht Mitglied einer Partei sein, in der auch die Mitglieder der sexistischen, hetzenden und menschenverachtenden “Zuse-Crew” Mitglieder sind und in der die Parteimitglieder diese “Crew-Mitglieder” immer wieder verteidigen und ihre Handlungen relativieren. Die Bedrohung von Mitgliedern durch “Zuse-Crew” Mitglieder, die massenhaften haltlosen Anzeigen gegen aktive Mitglieder (auch gegen mich), die dann stets aufgrund von mangelnder Grundlage eingestellt wurden und die anlasslose Speicherung von Tweets der “Zuse-Crew” (“Ich habe kein Problem damit, wenn meine Tweets öffentlich lesbar sind, nur gesammelt an der Wand im Keller eines Psychos habe ich ein Problem damit”) sollten Grund genug sein, nie wieder mit diesen Menschen zu agieren oder ihnen in gemeinsamer Anstrengung die Tür zu zeigen.
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  21. Im Großen und Ganzen waren es 4 lehrreiche und schöne Jahre, ich hatte das Privileg, mit sehr vielen klugen und großartigen Menschen zusammen Politik machen zu dürfen. Jetzt ist allerdings bereits ein Großteil dieser Menschen aus der Partei vertrieben worden, nicht zuletzt der letzte Bundesparteitag und die sozialliberalkonservative Kampagne davor haben dazu beigetragen. Aber auch die unzähligen Ereignisse und Hetzkampagnen, in denen immer wieder aktive Mitglieder massiv angegriffen und verleumdet wurden. Von dem überwiegenden Teil der derzeitigen Mitglieder scheint mich sowohl politisch als auch menschlich mehr zu trennen, als uns verbindet. Es gibt nichts mehr, was mich hält.
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  23. Au revoir und bonne voyage
  24. Diejenigen von Euch, die mir am Herzen liegen, treffe ich auf der nächsten Antinazidemo, einer feministischen Veranstaltung, dem 31C3 oder privat.
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  26. Noujoum